Liquidität verbessern:
4 einfache Wege für mehr Cashflow

Aktualisiert am 03.04.2026
Wenn Kunden nicht rechtzeitig bezahlen, dann kann es schnell mal eng auf dem eigenen Firmenkonto werden. Überschneiden sich Zahlungseingänge und -ausgänge immer wieder, solltest du in deinem Unternehmen die Liquidität verbessern.
In diesem Artikel erkläre ich dir, was Liquidität und Cashflow bedeuten, wie du diese Kennzahlen regelmäßig misst und verbesserst.
Liquidität und Cashflow
Zu deiner Liquidität zählen alle flüssigen Mittel, also Bargeld, Bankguthaben usw., die dafür sorgen, dass dein Unternehmen alle Ausgaben bezahlen kann. Sie ist wie ein Werkzeugkasten, indem du deine Finanzwerkzeuge aufbewahrst.
Im Zusammenhang mit Liquidität spricht man auch oft vom Cashflow. Cashflow bedeutet soviel wie „Geldfluss“. Hierzu zählt alles, was auf deinem Bankkonto an Einnahmen reinkommt, also „zufließt“ und was an Ausgaben wieder weggeht, also „abfließt“.
Stell dir deinen Cashflow wie einen See vor, durch den ein Fluss fließt. Auf der einen Seite fließt das Wasser rein, das sind deine Einnahmen. Auf der anderen Seite fließt es wieder ab, das sind deine Ausgaben. Solange genug Wasser nachkommt, bleibt der See voll. Fließt dauerhaft mehr ab als nachkommt, wird er irgendwann leer.
Ein entscheidender Faktor, um deine Liquidität langfristig zu sichern ist, dass du regelmäßig Einnahmen erzielst und deine Ausgaben gut im Blick behältst. Das klingt simpel, aber gerade als Solopreneur mit schwankenden Einnahmen ist genau das die größte Herausforderung.
Aber auch nach der Rechnungsstellung hast du noch Möglichkeiten, deinen Cashflow anzukurbeln.
Wie gut ist dein Cashflow?
Bevor du deinen Cashflow optimierst, musst du erst einmal herausfinden, wie gut er im Moment ist.
Das findest du am besten heraus, indem du dir die für dein Unternehmen relevanten Kennzahlen, sogenannte KPIs anschaust.
KPI steht für Key Performance Indicators. Übersetzt heißt das so viel wie Schlüsselkennzahlen oder Leistungskennzahlen. Es handelt sich ganz allgemein also um Kennzahlen, mit denen sich Erfolge bzw. die Erreichung von Zielen eines Unternehmens messen, überwachen und optimieren lassen.
Kennzahlen gibt es in so ziemlich allen Bereichen unseres Unternehmens, z.B. im Vertrieb, im Marketing, in Controlling, usw.
Welche Kennzahlen du dir anschaust, hängt von deinen Zielen ab. Diese solltest du unbedingt vorher z.B. in der Quartalsplanung festlegen. Der Wert der jeweiligen Kennzahl gibt dir dann Informationen darüber, in wie weit du dein Ziel erreicht hast.
Beliebte Kennzahlen bei Solopreneuren sind u.a.
- Umsatzwachstum und Erreichung von Umsatzzielen (Controlling)
- Webseitentraffic (Marketing)
- Anzahl Neukunden nach dem Erstgespräche (Vertrieb)
- Höhe des Unternehmergehalts (Controlling)
Die Kennzahlen für deinen Cashflow
Die wichtigsten Kennzahlen für deinen Cashflow sind deine Einnahmen und deine Ausgaben.
Zu deinen Einnahmen zählt alles, was auf deinem Bankkonto ankommt. Also alle Zahlungseingänge deiner Kunden.
Zu deinen Ausgaben zählt alles, was von deinem Bankkonto weggeht. Hierzu zählen neben deinen bezahlten Rechnungen auch dein Unternehmergehalt und deine Rücklagen.
Nun rechnest du für einen bestimmten Zeitraum „Einnahmen minus Ausgaben“.
Angenommen, du hast im letzten Monat 4.500 € eingenommen. Deine Ausgaben, inklusive Unternehmergehalt und Rücklagen, betrugen 3.800 €.
Jetzt rechnest du Einnahmen 4.500 € minus Ausgaben 3.800 €.
Ergebnis: Dein Cashflow ist positiv. Du hast sogar noch 700 € Spielraum.
Ist das Ergebnis positiv, ist dein Cashflow gut. Du hast mehr Einnahmen als Ausgaben und bleibst zahlungsfähig. Du hast sogar noch Spielraum, um Rücklagen oder dein Unternehmergehalt zu erhöhen.
Ist das Ergebnis negativ, ist dein Cashflow nicht gut. Du hast mehr Ausgaben als Einnahmen und kommst langfristig in Zahlungsschwierigkeiten. In diesem Fall solltest du eine der drei Stellschrauben aus diesem Artikel anpassen und deinen Cashflow bzw. deine Liquidität verbessern.
So optimierst du deinen Cashflow
1. Das Zahlungsziel anpassen
Gibst du deinen Kunden vor, bis wann sie ihre Rechnung bezahlen müssen?
Wenn ja, wie lange haben sie Zeit? Eine Möglichkeit, um den Cashflow auf deinem Bankkonto anzukurbeln ist, dass du das Zahlungsziel deiner Kunden anpassen kannst. Konnte sich dein Kunde bisher einen ganzen Monat Zeit lassen, seine Rechnung zu bezahlen, hat er ab sofort z.B. 10 Tage Zeit.
Vorteil 1: Du bekommst dein Geld schneller und wirst so deine Liquidität verbessern.
Vorteil 2: Der Kunde hat dein Produkt / deine Dienstleistung noch ganz aktuell im Kopf. Rechnungen mit langen Zahlungszielen werden nicht selten aufgeschoben und geraten im Businessalltag dann in Vergessenheit.
Spare dir und deinen Kunden Zeit, indem du Zahlungsvorgänge zeitnah nach Projektende durch ein kürzeres Zahlungsziel zum Abschluss bringst.
2. Liquidität verbessern durch den OPOS-Check
Prüfst du regelmäßig, ob deine Kunden ihre Rechnungen bezahlen? Und wie lange gibst du ihnen nach Ablauf des Zahlungsziels Zeit, ihre Rechnung noch zu bezahlen, bevor du sie anschreibst?
Lass nicht zu viel Zeit zwischen Fälligkeit (also dem Datum, bis wann die Rechnung spätestens hätte bezahlt werden müssen) und einer Erinnerung an die noch offene Rechnung vergehen. Je mehr Zeit dazwischen liegt, umso mehr gerät die Rechnung bei deinen Kunden in Vergessenheit.
Meine Empfehlung: Führe mindestens zweimal im Monat einen OPOS-Check. Hänge ihn z.B. zum Schluss an deinen Buchhaltungstag an. Wenn alle Rechnungen erfasst sind, schaust du, welche immer noch auf der Liste der unbezahlten Kundenrechnungen stehen. Das reicht aus, um den Überblick zu behalten und zeitnah reagieren zu können, ohne dass es sich wie eine lästige Pflicht anfühlt.
Habe keine Scheu, deine Kunden anzuschreiben: Schließlich vergessen wir alle im hektischen Businessalltag mal die ein oder andere Sache und gegen eine freundliche Erinnerung hat niemand etwas einzuwenden.
Wenn du ein Buchhaltungsprogramm nutzt, dann kannst du dir meist mit wenigen Klicks in eine Übersicht über deine offenen Posten, eine sogenannte OPOS Liste, anzeigen lassen, welche Rechnungen von deinen Kunden noch nicht bezahlt wurden und dazu eine freundliche Erinnerung erstellen.
Regelmäßige OPOS-Checks und zeitnahe Reaktionen deinerseits können innerhalb kurzer Zeit deine Liquidität verbessern.
Ich empfehle dafür das Tool Lexware Office. Falls du das Tool noch nicht kennst und einmal ausprobieren möchtest, siehst du in diesem Artikel auf einen Blick, was die 4 Versionen von Lexware Office kosten und für wen sie sich eignen.
3. Einfache Zahlungsmöglichkeiten
Eine weitere Möglichkeit, wie du deine Liquidität verbessern kannst: Mach es deinen Kunden leicht, bei dir zu bezahlen.
Mit einem Buchhaltungstool hast du z.B. die Möglichkeit deinen PayPal-Link oder einen QR-Code auf deiner Rechnungen anzeigen zu lassen.
Dein Kunde muss dann nur auf den PayPal-Link klicken oder den QR-Code mit seinem Smartphone abscannen und wird direkt in sein Onlinebanking geleitet, um deine Rechnung zu bezahlen.
Arbeitest du mit Zahlungsanbietern oder einer Verkaufsplattform, wie z.B. Digistore oder CopeCart zusammen, kannst du deinen Kunden anbieten, ihre Rechnungsbeträge via Lastschrift zu bezahlen. So kann dein Kunde die Zahlung der Rechnung erst gar nicht vergessen.
Du möchtest selbst Lastschriften einziehen? Auch das ist möglich! Frage einfach mal bei deiner Bank nach, ob dein Firmenkonto diese Option anbietet.
Eine weitere Möglichkeit ist, mit Vorauszahlungen oder Anzahlungen zu arbeiten. Du musst also mit deiner Arbeit nicht in Vorleistung gehen und hast mehr Planungssicherheit, weil du das Geld bekommst, bevor du überhaupt anfängst du arbeiten.
Bei Vorauszahlungen musst du allerdings beachten, dass du das Geld bereits bekommen hast und während der Dauer der Zusammenarbeit in der Regel keine weiteren Zahlungen mehr erhältst.
4. Überprüfe regelmäßig deine Ausgaben
Eine weitere Möglichkeit, deinen Liquidität zu verbessern, liegt nicht auf der Einnahmenseite, sondern auf der Ausgabenseite.
Schau dir mindestens einmal pro Quartal deine laufenden Ausgaben an.
- Welche Tools, Abos oder Mitgliedschaften zahlst du jeden Monat?
- Nutzt du sie wirklich noch?
- Bringen sie dir einen echten Mehrwert?
Gerade bei kleinen monatlichen Beträgen schleichen sich schnell Ausgaben ein, die kaum auffallen. Auf das ganze Jahr gesehen kommen aber erhebliche Summen zusammen.
5 € hier, 12 € dort, 29 € für ein Tool, das du seit Monaten nicht mehr geöffnet hast. Das summiert sich schnell auf mehrere Hundert Euro im Monat, die du einfach einsparen und somit deine Liquidität verbessern kannst.
Mein Tipp: Erstelle dir eine Übersicht über deine laufenden Ausgaben und gehe deine Kontoauszüge einmal im Quartal gezielt durch. Trage neue Ausgaben in deine Übersicht ein und frage dich bei jeder einzelnen: Brauche ich das wirklich noch?
Wenn die Antwort nein ist, dann streiche die Ausgabe im Anschluss.
Weniger unnötige Ausgaben bedeuten mehr Spielraum. Und mehr Spielraum bedeutet mehr Liquidität. Ganz ohne einen einzigen neuen Kunden gewinnen zu müssen.
Fazit
Deine Liquidität zu verbessern bedeutet nicht zwingend, mehr Umsatz zu machen. Oft reicht es, bestehende Stellschrauben bewusst zu nutzen. Kürzere Zahlungsziele, regelmäßige OPOS- und Ausgaben-Checks, sowie einfache Zahlungsmöglichkeiten können deinen Cashflow bereits spürbar verbessern.
Und der erste Schritt ist immer derselbe: Wissen, wo du gerade stehst.
Denn wer seine Zahlen kennt, trifft bessere Entscheidungen.
Du brauchst dafür keine komplizierte Software und kein stundenlanges Auswerten. Rechne einfach Einnahmen minus Ausgaben, mehr brauchst du im ersten Schritt nicht. Diese eine Zahl zeigt dir sofort, ob dein Business finanziell auf Kurs ist oder ob du handeln musst.
Wenn dich das Thema finanzielle Klarheit beschäftigt, dann freue ich mich, dich in meinem Newsletter willkommen zu heißen. Jeden Montag und Donnerstag bekommst du konkrete Impulse rund um finanzielle Klarheit. Alltagsnah und ohne Fachjargon.
