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Der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn

Der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn und warum beides nicht dir gehört

Viele Solopreneurinnen kennen dieses Gefühl: Der Monat lief eigentlich gut. Die Aufträge waren da, die Rechnungen sind raus. Und trotzdem schaust du aufs Konto und fragst dich: Wo ist das ganze Geld hin?

Der Grund ist meistens nicht, dass du zu wenig verdienst.

Der Grund ist, dass sie den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn nie wirklich durchdacht haben. Es handelt sich dabei um zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Wenn du einmal verstanden hast, wie diese beiden Zahlen zusammenhängen und was davon am Ende für dich übrig bleibt, verändert sich dein Blick auf dein Business grundlegend.

In diesem Artikel zeige ich dir genau das: Was Umsatz und Gewinn genau bedeuten, warum der Unterschied so entscheidend ist und was du konkret tun kannst, damit du weißt, was am Monatsende bei dir ankommt.

Umsatz, Gewinn – und was davon wirklich bei dir ankommt

Bevor wir in die Details gehen, klären wir kurz die Begriffe und damit den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn.

Umsatz ist alles, was an Geld auf deinem Bankkonto ankommt. Jeder Euro, den du deinen Kundinnen und Kunden in Rechnung stellst. Wenn du im Monat Produkte oder Leistungen im Wert von 5.000 € verkaufst, ist das dein Umsatz.

Gewinn ist das, was übrig bleibt, nachdem alle Ausgaben bezahlt sind. Dienstleister, Tools, Steuerberater, vielleicht eine Fortbildung. Erst wenn du das alles vom Umsatz abziehst, weißt du, womit du wirklich arbeitest.

Und dann gibt es noch eine dritte Zahl, die viele Solopreneure übersehen: das, was nach Ausgaben, Steuern und Rücklagen wirklich für dich übrig bleibt. Dein Unternehmergehalt.

Schauen wir uns das an einem konkreten Beispiel an.

Du stellst im Monat Leistungen im Wert von 5.000 € in Rechnung. Das ist dein Umsatz.

Davon ziehst du deine Ausgaben ab:

Tools, Steuerberater, Dienstleister: 800 €

Was übrig bleibt ist dein Gewinn: 4.200 €

Von diesem Gewinn ziehst du nun noch 700 € für die Steuern und 500 € für deine Rücklagen ab.

Am Ende bleiben 3.000 € übrig. Das ist der Betrag, der theoretisch für dich verfügbar wäre: dein Unternehmergehalt.

Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn: Theorie und Praxis

Die Formel aus der Schule kennst du: Umsatz minus Ausgaben gleich Gewinn. Klingt simpel und stimmt auch. Soweit die Theorie.

In der Praxis stellt sich jedoch schnell eine andere Frage:
Wer wird zuerst bezahlt? Dein Unternehmen oder du?

Schauen wir uns zwei Szenarien an:

Szenario 1: Du bezahlst zuerst alle Rechnungen im Unternehmen, dann deine Steuern, dann legst du noch etwas für die Rücklagen zur Seite und vom Rest deckst du deine privaten Kosten. Der Fokus liegt auf dem Unternehmen. Was übrig bleibt, ist dein Gehalt.

Szenario 2: Du bezahlst zuerst deine privaten Kosten, dann die Steuern und vom Rest die Rechnungen im Unternehmen. Der Fokus liegt bei dir. Was übrig bleibt, geht ins Unternehmen.

Siehst du den Unterschied zwischen den beiden Szenarien?

Beide Male bleibt rechnerisch etwas übrig. Aber nur in Szenario 2 ist sichergestellt, dass deine privaten Kosten wirklich gedeckt sind.

In Szenario 1 machst du laut Formel Gewinn, hast aber möglicherweise kein ausreichendes Gehalt.

Und genau das ist der Punkt, an dem viele Solopreneurinnen steckenbleiben, ohne zu wissen warum.

Welche Aufgabe hat dein Gehalt?

Dein Gehalt ist der Anteil deines Umsatzes, der dafür sorgt, dass deine privaten Kosten bezahlt werden. Es braucht also eine feste, planbare Höhe.

Wenn dein Gehalt aber immer nur „das ist, was am Ende übrig bleibt“, hast du kaum Einfluss darauf. Steigen die Kosten im Unternehmen, bleibt weniger für dich. Im schlimmsten Fall bleibt gar nichts.

Deshalb gilt: Dein Gehalt darf nicht der Rest sein. Es muss eine feste Größe sein, genauso wie deine Miete oder dein Telefontarif.

Welche Aufgaben hat der Gewinn?

Der Gewinn ist nicht einfach „das, was übrig bleibt“. Er hat konkrete Aufgaben in deinem Business. Allem voran das Aufbauen deiner Rücklagen.

  • Wachstum finanzieren. Du planst ein neues Projekt, das erstmal mehr kostet, als es einbringt. Bis es sich trägt, kannst du die Mehrkosten aus deinen Rücklagen finanzieren. Diese werden gefüllt, wenn du Gewinn machst.
  • Auszeiten überbrücken. Urlaub, Krankheit, eine ruhige Phase: in diesen Zeiten läuft dein Umsatz auf Sparflamme, deine Fixkosten aber nicht. Der Gewinn füllt auch hierfür die Rücklagen und gibt dir den Puffer, den du brauchst.
  • Krisen abfedern. Ein plötzlicher Umsatzeinbruch, ein Lockdown, ein großer Kunde der die Zusammenarbeit beendet, aber deine Kosten laufen weiter. Eine durch Gewinne gut gefüllte Notfallrücklage gibt dir Zeit und Handlungsspielraum, statt dich sofort unter Druck zu setzen.
  • Schulden tilgen. Hast du für den Start einen Kredit aufgenommen, ermöglicht dir der Gewinn Sondertilgungen und damit einen schnelleren Weg in die finanzielle Freiheit.

Hast du in diesem Zusammenhang schon mal nachgerechnet, wie viel Geld du deinem Unternehmen schon aus der privaten Tasche „geliehen“ hast? Das ist ein Kredit bei dir selbst und auch den darf dein Unternehmen aus seinen Gewinnen an dich zurückzahlen.

Der Gewinn tut auch etwas für dich persönlich!

Ein Anteil des Gewinns gehört dir, als Belohnung für deinen unternehmerischen Einsatz.

Eine bewährte Methode: Sind alle Rücklagentöpfe gut gefüllt, zahle dir am Ende des Jahres deinen Gewinn zusätzlich zu deinem normalen Gehalt aus. Eine Bonuszahlung oder Weihnachtsgeld für das Risiko, das du jeden Tag aufs Neue trägst.

Diese Belohnung ist nicht Luxus. Sie ist wichtig.
Denn du brauchst das Gefühl: Es lohnt sich, was ich hier tue.

Und was ist nun mit dem Rest?

Fassen wir zusammen.

In der Schule haben wir gelernt:
Umsatz – Ausgaben = Gewinn
Gewinn – Steuern = Gehalt

Dein Gehalt darf aber nicht der Rest sein. Es braucht eine feste, planbare Höhe.

Der Gewinn darf auch nicht der Rest sein. Er hat zu viele wichtige Aufgaben, als dass wir ihn dem Zufall überlassen könnten.

Die Steuern sind sowieso kein Rest. Die Höhe gibt das Finanzamt vor.

Was bleibt also für den Rest? Die Betriebskosten. Das, was am Ende übrig bleibt, deckt die laufenden Ausgaben in deinem Unternehmen.

Ein konkreter Tipp zum Starten: Leg dir ab sofort feste Teile deines Umsatzes auf ein separates Konto. Jedes Mal, wenn du deine Buchhaltung machst, überweist diesen Betrag auf dein Rücklagenkonto. Du musst nicht alle Töpfe gleichzeitig füllen. Fang klein an, zum Beispiel mit 1 % deines Umsatzes.

Lege fest, welche Rücklagen für dich am wichtigsten sind und fang damit an.

Und falls du merkst, dass der Rest nicht ausreicht, um deine betrieblichen Ausgaben zu decken: Das ist kein Zeichen, dass du es falsch machst. Es ist ein Zeichen, dass die Strukturen rund um dein Business noch optimiert werden können.

Dieser Artikel ist KEINE Rechts- oder Steuerberatung! Für eine Rechtsberatung frage bitte die AnwältIn deines Vertrauens, für Steuerfragen fragen deine SteuerberaterIn.

Ich bin Unternehmensberaterin für Solopreneure und Backoffice-Strategin.

Ich zeige dir, wie du die Sprache deiner Businesszahlen verstehen lernst und dadurch strategische Entscheidungen für dein Unternehmen triffst.

Mehr über mich erfährst du auf meiner Über-mich-Seite.
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